Neue Hightech-Medikamente

Teuer für die Gesellschaft, maximal gewinnbringend für die Hersteller

„Neue Waffen gegen den Krebs“  … „Wundermittel …“ „Hoffnungsträger ….“ Seit Ende des Jahres 2017 drängen in rascher Folge neue Krebs-Medikamente auf den deutschen Markt, begeistert betitelt und gefeiert von der interessierten Öffentlichkeit. Sie heißen unterschiedlich, stammen aus unterschiedlichen Laboren, zwei Merkmale haben sie gemeinsam: es sind Medikamente aus der Immuntherapie. Und: sie sind exorbitant teuer.

Immuntherapeutische Arzneimittel stellen eine innovative Generation von Krebsmedikamenten dar. Sie können das körpereigene Immunsystem reaktivieren und dadurch wieder in die Lage versetzen, gegen den Krebs vorzugehen und ihn zu zerstören. Bisherige Krebstherapien, wie beispielweise die Chemotherapie, greifen vor allem die Krebszellen direkt an. Das Ziel der Immuntherapie ist es, das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den Krebs zu stärken.

Neu sind diese Erkenntnisse nicht. Der Chirurg William Coley hat schon 1890 bewiesen, dass unser körpereigenes Regulations- und Abwehrsystem Krebszellen zerstören kann. Auf ihn gehen unsere heutigen Behandlungen der Fiebertherapie, die das Immunsystem der Krebspatienten aktiviert, zurück.

Die Grundlagen und Erkenntnisse der Immuntherapie hat sich die Hersteller der neuen Hightech-Medikamente zunutze gemacht. Diese werden biochemisch hergestellt und sprengen das bisher existierende Preisgefüge. Eine Dosis Wunderwaffe für 500 Euro. 40 Ampullen einer Hightech-Medizin können locker eine Millionen Euro kosten. Behandlungen, die vierzig Mal so teuer sind, wie die Behandlung mit Chemotherapie werden zur Normalität.

Doch: In welchem Verhältnis steht die Wirksamkeit die neuen „Wunderwaffen“ zu ihrem Preis. Und natürlich müssen wir uns auf fragen: auch: wer verdient daran?

Seit Jahren kommen in der Onkologie die meisten Arzneimittel neu auf den Markt, hier es wird das meiste Geld verdient. Und daran wird sich auf lange Sicht nichts ändern: Die Pharmaindustrie wird in der Onkologie weiterhin die höchsten Umsätze erzielen. Experten schätzen dem Umsatz für das Jahr 2018 auf 120 Milliarden US-Dollar.

Aber was bringen die neuen Medikamente? Und vor allem: wem?

Prof. Vinay Prasad von der Oregon Health & Sciences University publizierte im Oktober 2017 eine Studie im renommierten British Journal of Medicine. Untersucht wurden neue molekulargenetisch hergestellte Wirkstoffe, die zur Kategorie der molekularen Antikörper, Angiogenese-Hemmer oder Checkpoint-Inhibitoren zählen. Die Forscher bewerteten 48 Krebsmedikamente, die von 2010 bis 2013 für 68 Indikationen zugelassen worden sind. Lediglich bei sieben Medikamenten, also weniger als 10 Prozent der Indikationen, gab es Hinweise auf eine Verbesserung der Lebensqualität.

Doch niemand spricht gerne über die starken Nebenwirkungen der gentechnisch erforschten Neuen Wunderwaffen. Und niemand spricht gern über die finanziellen Nebenwirkungen für das Gesundheitssystem. Niemand traut sich zu sagen: Dieses Medikament ist zu teuer. Denn was kann zu teuer sein, um ein Menschenleben zu retten und sei es auch nur um wenige Wochen?

Den neuen Hightech-Medikamente, an denen die Pharmaindustrie weltweit unglaubliche Gewinne einfahren wird, stehen altbekannte, erforschte und erfolgreiche Therapien gegenüber. Zum Beispiel: Methadon. Seit 70 Jahren als Schmerzmittel zugelassen. Ausreichend erforscht und preiswert.  Anderes Beispiel: die Fiebertherapie. Oder: Cannabis als Schmerztherapie bei Krebspatienten.

Nebenwirkung komplementärer Therapien: kein Gewinn

Die Nebenwirkung dieser Therapieformen: sie erzielen keine Gewinne. Es lohnt sich für kein Unternehmen, Geld in ein Präparat zu investieren, auf das sie kein Patent mehr haben. Oder das preiswert zu produzieren ist. Und das trotz der erwiesenen Verträglichkeit, trotz der Erfolge in der Krebstherapie, trotz der Hoffnung für die Schwerkranken.

Das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) stellte im Deutschen Ärzteblatt vom 9. März 2018 fest: Fast 90 Prozent der klinischen Phase-III-Studien werden von kommerziellen Sponsoren finanziert. 2017 wurden lediglich 33 von 256 Studien in Deutschland aus unabhängigen Quellen bezahlt.