Niedrig dosiertes Naltrexon (LDN) bei Krebs – Alternative Krebstherapie

Die Behandlung mit niedrig dosiertem Naltrexon ist in den vergangenen Jahren, ausgehend von den USA, zu einer immer vielversprechenderen Therapie bei verschiedenen Krankheiten wie MS, Morbus Crohn, Krebs, Aids sowie anderen Autoimmun- und neurodegenerativen Krankheiten geworden.

Ursprünglich in hoher Dosierung zur Behandlung von Drogenabhängigen entwickelt, ist Naltrexon ein Wirkstoff, der auch in Deutschland zugelassen ist und zur Gruppe der so genannten Opioidantagonisten gehört.

Darunter versteht man Substanzen, die an den körpereigenen Opioidrezeptoren andocken, jedoch ohne die rauschhafte Wirkung von Opioiden hervorzurufen.

Die Folge: von außen zugeführte Opioide, wie beispielsweise Heroin, aber auch körpereigene Opioide (Endorphine) können diese Blockade nicht überwinden, der erwartete „Kick“ in Form von Euphorie oder Beruhigung durch die zugeführte Droge, bleibt aus, die Abhängigkeitsspirale wird durchbrochen.

Erst in den vergangenen Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass Naltrexon in einer sehr viel geringeren Dosierung ( 1 – 4,5mg täglich) ganz andere Wirkungen hat und einen nicht geringen Einfluss auf das Immunsystem auszuüben scheint. Diese Form der Therapie wird als LDN-Therapie (Low Dose Naltrexon) bezeichnet.

Die Wirkweise von niedrig dosiertem Naltrexon (LDN)

Während hochdosiertes Naltrexon die Wirkung exogen zugeführter Opiate, aber auch die der körpereigenen (endogenen) Opiate behindert, wirkt LDN offensichtlich genau gegenteilig: es konnte festgestellt werden, dass durch eine LDN – Behandlung die Blutkonzentration endogener Opiate als auch die Dichte von Opioidrezeptoren, also die Anzahl der Andockstellen, erhöht wird.

Da die Wirkweise von LDN im Körper noch nicht vollständig geklärt ist, geht die wissenschaftliche Theorie davon aus, dass durch die niedrige Menge an LDN die Opioidrezeptoren nur wenige Stunden blockiert werden. Das wiederum führt dazu, dass der Körper glaubt, es seien nicht genügend körpereigene Opiate im Blut.

Um also die vermeintliche Minderung körpereigener Opioide auszugleichen, produziert der Körper als Reaktion zusätzliche Opioide in zwei- dreifacher Menge. Diese kurzfristige Produktionserhöhung nennt man Rebound-Effekt oder überschießende Gegenreaktion.

Doch warum ist eine Erhöhung der körpereigenen Opioide so zentral?

Körpereigene Opioide, die so genannten Endorphine, sind für zahlreiche Körperfunktionen mitverantwortlich, zum Beispiel für die Schmerzlinderung und das allgemeine Wohlbefinden. Endorphine kontrollieren die Stressreaktionen des Körpers, sowie den Herzkreislauf, die Verdauung, die Atmung und die Wärmeregulation. Weiterhin sind sie wichtige Regulatoren des Zellwachstums und haben immunmodulierende Wirkung.

Dr. Bihari, Neurologe und Pionier in der Arbeit mit LDN, stellte fest, dass sich die niedrig dosierte Gabe von Naltrexon positiv auf die Immunschwächekrankheit AIDS auswirkte. Die AIDS-Verläufe waren weniger schwer und die Betroffenen überlebten länger. Darauf setzten Ärzte LDN bei weiteren Krankheiten ein, u.a. bei Krebs, Multipler Sklerose, Morbus Crohn und anderen Autoimmunerkrankungen, mit zum Teil überragenden Ergebnissen.

Ein erhöhter Endorphinspiegel scheint dass Immunsystem zu stimulieren und wieder funktionsfähig zu machen. Diese Theorie wird durch die Tatsache unterstützt, dass bei HIV-Erkrankten, als auch bei MS- und Krebspatienten der Endorphinspiegel a. sehr gering ist und b. auch das Immunsystem nicht mehr richtig funktioniert. Interessant ist, dass durch die LDN-Therapie das bei vielen Autoimmunerkrankungen wie MS das überaktive Immunsystem genauso moduliert wird, wie das geschwächte Immunsystem bei Krebskranken. LDN scheint also einen Einfluss auf die Homöostase zu haben, die Fähigkeit des Körpers, sein Gleichgewicht innerhalb seiner vielfältigen Funktionen aufrecht zu erhalten.

So zeigte eine Pilotstudie zur Wirksamkeit von LDN bei multipler Sklerose mit 40 Teilnehmern aus dem Jahr 2008 nach 6 Monaten eine signifikante Reduktion der Spastik, nur ein Patient zeigte eine fortschreitende neurologische Degenerierung. Die Autoren der Studie kamen zu dem Ergebnis, dass LDN für MS-Patienten sicher in der Verwendung und gut verträglich ist.

Dr. Bihari hat weiterhin bei seinen Versuchen festgestellt, dass fast alle Krebszellen eine große Menge an bestimmten Endorphinrezeptoren haben, die so genannten Opioid Growth factor Rezeptoren (OGFr). An diese docken das entsprechende Endorphin Opioid Growth factor (OGF) an.

Eine erhöhte Zufuhr von OGF scheint einen unmittelbaren Einfluss auf die Krebszellen zu haben, wie eine Studien aus dem Jahre 2011 zeigt: LDN hemmt nachweislich das Wachstum von Ovarialkarzinomzellen, wobei für die antitumoröse Wirkung von LDN eine pulsatile (schwankende) und nicht eine kontinuierliche Gabe wesentlich ist. Zu den Krebsarten, die ebenfalls gut auf LDN reagieren, wie weitere Studien belegen, zählen:

Das multiple Myelom, das Lymphom, die Hodgkin –Krankheit, Brustkrebs und alle Krebsarten, die den Magen-Darm-Trakt befallen, wie beispielsweise Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Naltrexon ist bis jetzt nur in seiner ursprünglichen Indikation, zur Behandlung von Drogenabhängigen, zugelassen. Viele Ärzte haben aber das Potenzial von LDN erkannt und verwenden es erfolgreich „Off Label“ (d.h. außerhalb der offiziellen Zulassung).